Verhütung

Wichtig ist, dass Sie die Art von Verhütung finden, die am besten zu ihrer jeweiligen Lebenssituation passt. Frauen und Männer ohne feste/n Partner/in finden oft andere Verhütungsmethoden für sich passend als Paare in langjährigen Beziehungen. So kann die Verhütungsmethode im Lauf eines Lebens auch mehrfach wechseln.

Es gibt viele verschiedene Verhütungsmittel, die unterschiedlich sicher sind. Sehr sichere Verhütungsmittel sind Pille und Spirale. Auch Kondome und Diaphragma können sicher sein, wenn man sie richtig anwendet.

Übersicht Verhütungsmittel

mit Hormonen:

  • Pille, Hormonspirale, Drei-Monats-Spritze, Verhütungsring, Stäbchen (Implantat), Pflaster
    Es gibt sehr viele unterschiedliche Pillenarten (Minipille, Einphasenpille, Zweiphasenpille usw.).

ohne Hormone:

  • Spirale, Kondome für Männer, Kondome für Frauen, Diaphragma, Kupferkette, natürliche Familienplanung („NFP“ = Temperatur- und Schleimmessung)
    Kondome schützen nicht nur vor Schwangerschaften sondern auch vor sexuell übertragbaren Infektionen (Hepatitis, HIV/Aids usw.).

Dauerhafte Verhütung durch Operation:

  • Sterilisation bei Mann oder Frau

ungeeignete Mittel und Methoden:

  • Verhütungszäpfchen oder -gels, Berechnung der fruchtbaren Tage mit Hilfe von Kalender (Knaus-Ogino) oder von kleinen Computern, »Aufpassen« (Coitus interrruptus)
    Achtung: Diese Methoden sind sehr unsicher und zur Verhütung nicht geeignet!

Fragen zur Entscheidung für eine Verhütungsmethode

  • Wie wichtig ist mir eine möglicht große Sicherheit? Wäre es sehr schlimm, wenn ich jetzt schwanger würde, oder wäre es möglich?
  • Will ich nur Schwangerschaften verhüten oder auch sexuell übertragbare Infektionen (z.B. Hepatitis, HIV/Aids und andere »Geschlechtskrankheiten«)?
  • Kommt es für mich in Frage, Verhütungsmittel mit Hormonen zu verwenden?
  • Welche Verhütungsmethode passt am besten zu meinem Leben im Moment? (Regelmäßige Arbeits- und Schlafenszeiten? Regelmäßiger oder gelegentlicher Sex?)
  • Wie gut kenne ich mich mit meinem Körper und den biologischen Vorgängen z.B. Menstruationszyklus aus?
  • Wie groß ist der Aufwand – z.B. regelmäßige Arztbesuche bei rezeptpflichtigen Verhütungsmitteln?
  • Was kosten die Verhütungsmittel? [Kosten Verhütungsmittel (als PDF)]
    => Mädchen, die nicht privat versichert sind, bekommen Verhütungsmittel bis zu ihrem 20. Geburtstag kostenlos.

Notfallverhütung: Pille danach

Wenn Sie vergessen haben, die Pille zu nehmen, das Kondom gerissen ist, oder die Verhütung aus anderen Gründen nicht geklappt hat, gibt es auch nach dem Geschlechtsverkehr Möglichkeiten, eine Schwangerschaft zu verhindern. Es gibt zwei »Pillen danach« mit unterschiedlichen Wirkstoffen und die »Spirale danach«.

Wichtig ist, dass alle Pillen für »danach« umso besser wirken, je früher sie eingenommen werden – am besten in den ersten 24 Stunden. Deswegen so schnell wie möglich zur Apotheke gehen und die Pille danach kaufen. Ein Rezept ist nicht mehr notwendig. Die am häufigsten verwendete Pille danach PiDaNa® (18 Euro) kann maximal 72 Stunden bzw. drei Tage Zeit lang eingenommen werden. Die teurere Pille danach ellaOne® (34 Euro) soll 120 Stunden bzw. fünf Tage wirksam sein. Mädchen bis 20 müssen die Pille danach nicht bezahlen, wenn sie ein Rezept vom Arzt haben. Dazu müssen sie abends und am Wochenende zum ärztlichen Notdienst.

Die Spirale danach kann auch noch am fünften Tag nach dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden. Sie ist mit 130 bis 180 Euro am teuersten. Dafür kann man sie drei bis fünf Jahre weiter zur Verhütung verwenden.

Hilfe bei ungeplanter Schwangerschaft

Bei einer ungeplanten Schwangerschaft können sich Frauen, Männer und Paare kostenlos in einer Schwangerschaftsberatungsstelle beraten lassen. Es gibt ein großes Angebot von unabhängigen und von kirchlichen Beratungsstellen. Sie informieren über rechtliche Ansprüche und Hilfsangebote vor und nach der Geburt und können einen Antrag auf finanzielle Unterstützung bei der Mutter-und-Kind-Stiftung stellen (Schwangerschaft und Geburt).

Wenn eine schwangere Frau oder ein Paar nicht weiß, ob sie das Kind bekommen können oder nicht, helfen die BeraterInnen bei der Entscheidung. Die BeraterInnen müssen dabei neutral sein und dürfen nicht in die eine oder andere Richtung beeinflussen (Ungewollte Schwangerschaft).

Verhütung nach der Geburt

Sechs bis acht Wochen nach der Geburt können Frauen wieder schwanger werden. Auch Stillen schützt nicht vor einer Schwangerschaft. Wenn Frauen nach der Geburt nicht gleich ein weiteres Kind bekommen möchten, sollten sie sicher verhüten.

Stillende Frauen sollten keine Verhütungsmittel mit dem Hormon Östrogen nehmen (»normale« Pille, Verhütungsring usw.) da die Östrogene die Milchzusammensetzung verändern und die Milchmenge reduzieren. Verhütungsmittel nur mit dem Hormon Gestagen (Minipille, Pillen ohne Östrogen) können genommen werden. Außerdem möglich sind die Kupferspirale, Kondome oder ein Diaphragma. Die Anwendung von Kondomen oder einem Diaphragma muss man für einen sicheren Schutz gut üben. Ein Diaphragma muss nach der Geburt von der Größe her neu angepasst werden. In den ersten Wochen nach der Geburt schützen Kondome zusätzlich vor Infektionen.